„Wie hoch ist Ihre Toleranz?“ ist eine der am häufigsten gestellten Fragen, die wir erhalten. Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt davon ab. Nicht, weil wir uns hinter irgendetwas verstecken wollen, sondern weil die Toleranz beim Wasserstrahlschneiden keine feste Maschineneigenschaft ist, die man einmalig festlegt. Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen, die Sie für jedes einzelne Bauteil treffen.
Im Folgenden erläutern wir, um welche Faktoren es sich dabei handelt und welche Werte Sie in der Praxis erwarten können.
Drei Faktoren bestimmen die Toleranz
Die Schnittqualität. Dies ist der wichtigste Regler, den Sie selbst einstellen können. Je höher die gewählte Qualität, desto langsamer bewegt sich der Schneidkopf und desto präziser ist das Ergebnis. Wir schneiden in vier Qualitätsstufen: Standard (Q2), mittel (Q3), fein (Q4) und ausgezeichnet (Q5). Mehr zu dieser Auswahl erfahren Sie unter „Welche Schnittqualität benötigen Sie?“
Die Materialstärke. Bei dickeren Werkstücken kann es aufgrund der Strahlbreite zu einer leichten Abweichung kommen: Der Wasserstrahl verliert auf seinem Weg nach unten an Energie, wodurch der Schnitt an der Unterseite leicht von dem an der Oberseite abweichen kann. Je dicker die Platte ist, desto mehr Platz müssen Sie dafür einplanen.
Die Materialart. Härtere Werkstoffe wie Stahl lassen geringere Toleranzen zu als weichere wie Kunststoff. Bei sehr detailreichen Konstruktionen (enge Stege, kleine Radien, feine Konturen) können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein, um die Präzision zu gewährleisten.
Was das in Zahlen bedeutet
Die engsten Qualitätstoleranzen:
| Qualität | Engste Toleranz | Gültig bis |
| Standard (Q2) | ± 0,5 mm | 25 mm |
| Mittel (Q3) | ± 0,2 mm | 50 mm |
| Gut (Q4) | ± 0,15 mm | 70 mm |
| Ausgezeichnet (Q5) | ± 0,1 mm | 70 mm |
Bitte beachten Sie: Hierbei handelt es sich um die engsten Toleranzwerte, die für die dünneren Materialien innerhalb jeder Qualitätsstufe gelten. Mit zunehmender Plattendicke erhöht sich die Toleranz innerhalb derselben Qualitätsstufe. Die vollständige Tabelle mit allen Werten pro Plattendicke finden Sie unter Spezifikationen für das Wasserstrahlschneiden.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Tabelle: Bei 20-mm-Platten beträgt der Unterschied zwischen der Ausführung „Standard“ und „Excellent“ den Faktor zehn: von ± 1 mm auf ± 0,1 mm. Es lohnt sich also, diese Entscheidung bewusst zu treffen, anstatt die Standardeinstellung beizubehalten.
Wie wir die Toleranz für Ihre Bestellung festlegen
Die Toleranz wird auf der Grundlage der Spezifikationen in Ihrem Entwurf und unserer technischen Möglichkeiten festgelegt. Während der Angebotsphase besprechen wir die Anforderungen mit Ihnen, damit Sie bereits vor Produktionsbeginn wissen, dass das Endergebnis Ihren Erwartungen entspricht – und nicht erst danach.
Es ist dabei äußerst hilfreich, wenn Sie in Ihrer Zeichnung angeben, welche Maße entscheidend sind. In der Praxis sind dies meist nur wenige: eine Passbohrung, ein Mittenabstand, eine Passfläche. Der Rest des Bauteils darf großzügiger bemessen sein. Indem wir dies ausdrücklich festhalten, können wir gezielt dort eingreifen, wo es erforderlich ist.
ABWEICHENDE TOLERANZEN
Benötigen Sie eine Toleranz, die außerhalb der Tabelle liegt? Das ist möglich, sofern dies im Voraus abgesprochen wird. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf, dann prüfen wir, ob und wie wir eine maßgeschneiderte Lösung anbieten können. Manchmal durch eine andere Schneidstrategie, manchmal durch Hinzufügen eines Nachbearbeitungsschritts.
EIN VORTEIL, DER OFT ÜBERSECHT WIRD
Das Wasserstrahlschneiden ist ein Kaltverfahren: Es wird keine Wärme in das Material eingeleitet. Das bedeutet, dass keine wärmebeeinflusste Zone entsteht, keine Verhärtung im Bereich des Schnitts auftritt und (wichtig für die Maßhaltigkeit) keine thermische Verformung eintritt.
Bei dünnen, langgestreckten oder großen Bauteilen ist genau das der Knackpunkt bei thermischen Schneidverfahren: Das Bauteil kommt exakt maßgenau aus der Maschine und verzieht sich anschließend. Beim Wasserstrahlschneiden entspricht das geschnittene Maß genau dem Endmaß. Dadurch eignet sich dieses Verfahren besonders für anspruchsvolle Anwendungen und für Werkstoffe, die nicht belastet werden sollen.
Toleranzen und Nachbearbeitung
Wird das Bauteil nach dem Schneiden noch weiterbearbeitet (Gewindeschneiden, Senken, Radiusfräsen oder Kantenbearbeitung), hat dies Auswirkungen auf Ihre Maßangaben. Insbesondere beim Abkanten: Durch das Biegen wird Material abgetragen, und der minimale Biegeradius variiert je nach Material. Berücksichtigen Sie dies bitte bei Ihrer Konstruktion oder lassen Sie uns einen Blick darauf werfen. Da wir das Schneiden und die Nachbearbeitung im eigenen Haus durchführen, wird der gesamte Prozess auf der Grundlage derselben Zeichnung und derselben Ausgangsparameter bewertet.
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Die vollständige Toleranztabelle nach Schnittqualität und Blechdicke finden Sie unter Spezifikationen zum Wasserstrahlschneiden.